Envoy 3

von
Werner Ammann

Envoy ist eine Netzwerksoftware für den Amiga. Sie wurde speziell für den Amiga programmiert und unterstützt dessen Fähigkeiten. Allerdings lässt sich damit kein Netzwerk mit einem Amiga und z.B. einem PC einrichten, es können nur Amigas verwendet werden.

Envoy 3 läuft ab OS 2.04 oder höher, braucht mindestens 1 MB Ram und eine Netzwerk-Hardware, z.B. eine Ariadne, Hydra, ConneXion oder A2065 Ethernet- Karte. Mindestens eine Festplatte sollte im Netzwerk vorhanden sein, Envoy belegt darauf etwa 2,5 MB Speicherplatz. Alle Gerätetreiber nach dem SANA- II Standard werden unterstützt.

Ich habe hier einen A4000T mit Ariadne und einen A2000 mit Hydra- Netzwerkkarte verbunden. Envoy wird auf einer CD ausgeliefert, obwohl nur ca. 1 MB Daten drauf sind. Anscheinend ist eine CD mittlerweile billiger als eine Diskette oder dies wird wegen der Datensicherheit so ausgeliefert. Allerdings hätten auf der CD die zahlreichen Envoy-Tools aus dem Aminet auch Platz gehabt.

Eine deutsche Anleitung liegt als AmigaGuide-Dokument auf der CD, sie ist mit 112 KB recht umfangreich und detailliert. Das Kapitel 'Für Einsteiger' bietet dem Neuling einfache Informationen, darauf bauen dann weitere Kapitel auf. Für Besitzer der älteren Version 2 ist sicher auch das Kapitel 'Änderungen' interessant. Ich hätte mir gerne noch ein gedrucktes Handbuch gewünscht, bei einem Preis von 99 DM für diese Software wäre das meiner Meinung nach machbar.

Die Installation und Konfiguration war recht einfach. Die Anleitung bietet hier eine gute Hilfestellung bei Problemen oder Unsicherheiten. Schon nach kurzer Zeit konnte ich die Festplatten und CD-ROM's im A4000T auch auf dem A2000 nutzen und umgekehrt. Die gewünschten Datenträger müssen auf einem Rechner erst mal exportiert und auf dem anderen Rechner importiert werden.

Dabei kann gewählt werden, ob die Verbindung permanent (DEVS/DOSDRIVERS), unter storage (STORAGE/DOSDRIVERS) oder nur temporär eingerichtet werden soll. Dann erscheinen die Laufwerke des anderen Rechners auf der WB- Oberfläche als Disk-Icons. Beim Exportieren kann man noch verschiedene Optionen auswählen, u.a. ob Datenträger fixiert oder Piktogramme ausgelagert werden dürfen. Auch hat man die Möglichkeit, ein Laufwerk als read-only zu mounten. Es werden auch Wechselmedien unterstützt.

Ein Drucker im Netzwerk reicht, alle anderen Computer können darauf zugreifen. Ebenfalls können die logischen Devices PRT: PAR: und SER: umgeleitet werden.

Für Benutzer selbst gibt's auch einige Einstellungen. Es können Benutzer- Gruppen angelegt werden, was ich aber als so ziemlich der einzige Benutzer des Netzwerk's wohl kaum brauchen werde. Ebenfalls können Verwalter-Rechte, Namen und Passwörter geändert werden. Auf Wunsch kann man auch die Passwortabfrage abschalten. Für meinen persönlichen Anwendungszweck finde ich es schade, dass man hier nicht auch gleich noch die Userabfrage ebenso abschalten kann. Dann könnte man das Netzwerk konfigurieren, ohne jedesmal den Usernamen eingeben zu müssen. Aber da das Netzwerk selbst ohne spezielle Eingaben läuft, ist dies kein grosses Manko. Einmal konfiguriert, läuft Envoy dann problemlos.

Ob sich die Geschwindigkeit gegenüber Envoy 2 verändert hat, kann ich nicht feststellen, da ich diese bis jetzt noch nie gemessen habe. Probeweise wurde nun aber ein 60 MB grosses File über das Netz geschickt und die Zeit gemessen. Dabei kam ich auf einen Datentransfer von etwa 250 KB/sec vom A4000/060 zum A2000/030. Die Geschwindigkeit kann sich natürlich verändern bei Verwendung von anderen Netzwerkkarten. Auch spielt wohl die Prozessorbelastung des SCSI-Adapters und der Festplatte eine Rolle.

Versuche mit einem zweiten A4000 und einer Ariadne brachten einen Datentransfer von mehr als 500 KB/sec. Leider kann ich hier keine weiteren Vergleiche anstellen, da ich keine andere Netzwerksoftware installiert habe. Beim DirectoryOpus kam es es beim Auflisten der Laufwerke manchmal zu deutlich spürbaren Verzögerungen bei Envoy 2. Hier ist Envoy 3 mit Sicherheit schneller geworden, die Laufwerke sind sofort da.

Im Gegensatz zu Envoy 2 sind nun alle Fenster fontsensitiv und die Programme sind deutsch lokalisiert. Das Konzept wurde beibehalten, ein Anwender von Envoy 2 kommt auch mit Envoy 3 sofort zurecht. Die neue Version bietet eine gute Online-Hilfe. Änderungen bei der Konfiguration werden auch ohne Neustart wirksam. Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass Envoy 3 nicht kompatibel ist mit Envoy 2, es dürfen also nur dieselben Envoy-Versionen im Netz verwendet werden.

Im Aminet gibt es recht viele Tools zu Envoy. Erwähnenswert ist hier vor allem Ventriloquist, damit kann man beide Amigas mit einer Tastatur und einer Maus bedienen.

Fazit

Envoy 3 läuft zuverlässig, die Installation und Konfiguration macht auch dem Anfänger wohl kaum Probleme. Dass mit Envoy kein PC ins Netzwerk eingebunden werden kann, ist für manche vielleicht eine Einschränkung. Envoy kann nur Amigas vernetzen, macht diesen Job allerdings sehr gut und zuverlässig. Die Online-Hilfe ist gut und praktisch. Ich hätte mir aber trotzdem ein gedrucktes Handbuch zum Programm gewünscht.

Produkt: Envoy 3 Hersteller: Schatztruhe
Art: Netzwerksoftware Version: 3.0
Preis: 99,- DM Bez.Quelle: Fachhandel
Leistungsfähigkeit:2
Benutzerfreundlich:1
Dokumentation:2
Preis-/Leistung:2
Gesamt:2

Hersteller und Vertrieb:
Stefan Ossowski Schatztruhe, Veronikastrasse 33, 45131 Essen


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